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Prof. Dr. Emil Kautzsch

Textbibel

Das Alte Testament

Das Buch Hiob.

Kapitel 36.

Die Reden Elihus. (Fortsetzung)

1 Weiter fuhr Elihu also fort:
2 Warte mir ein wenig, daß ich dich unterweise,
denn noch stehen Gott Worte zu Gebote.
3 Ich will mein Wissen fernher entnehmen
und meinem Schöpfer Recht verschaffen.
4 Denn wahrlich, meine Worte lügen nicht;
mit einem Manne von vollkommener Erkenntnis hast du's zu thun.

5 Siehe, Gott ist gewaltig, doch verschmäht er niemand,
gewaltig an Kraft des Geistes.
6 Er erhält den Gottlosen nicht am Leben,
aber den Elenden gewährt er Recht.
7 Er zieht seine Augen nicht ab von dem Frommen
und bei Königen auf dem Thron -
da läßt er sie immerdar sitzen, daß sie erhöht seien.
8 Und wenn sie mit Ketten gebunden sind,
gefangen gehalten werden von Stricken des Elends,
9 und er ihnen ihr Thun vorhält
und ihre Sünden, daß sie sich überhoben,
10 und er so ihr Ohr der Warnung aufthut
und sie umkehren heißt vom Frevel:
11 Wenn sie gehorchen und sich unterwerfen,
so werden sie ihre Tage im Glück
und ihre Jahre in Wonne verbringen.
12 Gehorchen sie aber nicht, so fahren sie dahin durch Geschosse
und verhauchen in Verblendung.
13 Denn als Leute von ruchlosem Sinn hegen sie Zorn,
schreien nicht, wenn er sie fesselt;
14 in der Jugendfrische stirbt ihre Seele dahin,
und ihr Leben wie das der Lustbuben.
15 Erretten wird er den Elenden durch sein Elend
und thut ihnen durch die Drangsal das Ohr auf.
16 Und er lockt auch dich aus dem Rachen der Not
auf weiten Plan, wo keine Beengung ist,
und was auf deinen Tisch kommt, ist reich an Fett.
17 Bist du aber erfüllt vom Urteile des Gottlosen,
so werden Urteil und Gericht dich festhalten.
18 Denn Grimm verführe dich nicht zu Hohn,
und des Lösegelds Größe verleite dich nicht.
19 Wird er deinem Schreien anders abhelfen, als durch Bedrängnis
und alle Kraftanstrengungen?
20 Lechze nicht nach der Nacht,
daß Völker auffahren an ihrer Stelle.
21 Hüte dich, wende dich nicht zum Frevel;
denn dazu hast du mehr Lust als zum Leiden.
22 Siehe, Gott wirkt erhaben in seiner Kraft;
wer ist ein Herrscher wie er?
23 Wer hat ihm seinen Weg vorgeschrieben,
und wer gesagt: du hast Unrecht gethan?
24 Gedenke, daß du sein Thun erhebst,
welches die Menschen besingen!
25 Alle Menschen schauen ihre Lust daran;
der Sterbliche erblickt es von ferne.

26 Ja, Gott ist erhaben und unbegreiflich für uns,
die Zahl seiner Jahre nicht zu erforschen.
27 Denn er zählt des Wassers Tropfen ab,
daß sie infolge seines Nebels Regen sickern,
28 den die Wolken rieseln lassen,
auf viele Menschen niederträufeln.
29 Und vollends, wenn man die Ausbreitungen des Gewölks verstände,
das Krachen seines Gezelts!
30 Siehe, er breitet um sich aus sein Licht und
bedeckt die Wurzeln des Meers.
31 Denn damit richtet er Völker,
giebt Speise zugleich im Überfluß.
32 Beide Hände bedeckt er mit Licht
und entbietet es gegen den Widersacher.
33 Ihn meldet an sein Dröhnen,
ihn, der seinen Zorn gegen das Unrecht eifern läßt.